schulRAUMkultur

schulRAUMkultur spannt den Bogen von Schulkultur zu Baukultur und steht für beste Qualität des Prozesses der Schulraumproduktion. … weiterlesen

Ich freue mich, einen meiner jüngsten Vorträge nun online stellen zu können. Am 8.7.2013 hielt ich auf Einladung der Rektorin der Pädagogischen Hochschule Kärnten Marlies Krainz-Dürr den Eröffnungsvortrag der alljährlichen Sommerakademie für PädagogInnen »Impulse 2013«.

Nach einer kurzen biografischen Notiz und einer Skizze zur inhaltlichen Ausrichtung von »schulRAUMkultur« bespreche ich anhand ausgewählter Beispiele die historische Grundriss-Entwicklung von Schulbauten von 1750 bis heute. Dabei spanne ich den Bogen vom Einraum zur Klassen-Addition, von dieser Addition zur technokratisch gerasterten flexiblen Fläche und von der zum melodischen Rhythmisieren des Rasters durch ›Orte‹. Ich illustriere meine Ausführungen mit Schulbaubauten aus Dänemark (Kathedralschule Aarhus, Hellerup Skolen) und aus Österreich (BSZ Traun). Am Ende dieses ersten Teils meines Vortrags wende ich mich dem Thema »Umbau« von Schulen (VMS Alberschwende) zu.

Im zweiten Teil des Vortrags gehe ich näher auf zwei Beispiele von Beteiligungsmodellen für Schulumbauten ein, die ich mit dem Architekturbüro »nonconform architektur vor ort« 2011/2012 durchführen konnte (BSZ Traun und ImPuls Schule Steyr). Das Video zeigt die Folien des Vortrags mit meiner Stimme aus dem Off (Mitschnitt, 58 Minuten). Das PDF ist eine überarbeitete und aktualisierte Textversion des Manuskripts mit 35 Seiten A4-Hochformat.

Vortrag schulRAUMkultur – Impulse 2013

Musical Toilet

Das Schuljahr 2012/13 geht zu Ende und ich bin von meinen SchülerInnen am BRG Traun schlicht überrascht worden. Die haben ein Video in Eigenregie produziert, das echt ›abfährt‹! Ich war inspiriert von der Arbeit des Kollektivs ›stiftungFREIZEIT‹, animiert durch ähnliche Videos im Web und hab meine 17-Jährigen lediglich angeregt, das Schul-WC neu und anders zu verwenden. Und siehe da, die haben es mit anderen Ohren gehört …!

Der Text »Mit anderen Augen sehen« von Barbara Feller aus der Broschüre zum jüngst vom BMUKK verliehenen Award ›Bessere Lernwelten‹ kann nun um einen Sinn – die Ohren – erweitert werden. Es geht darum, » … eine vermeintlich festgeschriebene Funktion und/oder Gestaltung kritisch als AkteurIn zu betrachten und mit einfachen Performance-Elementen zu transformieren. Die genaue Beobachtung des eigenen Verhaltens in unterschiedlichen Räumen macht Nutzungsgewohnheiten bewusst, neue Funktionen für alltägliche Räume werden entdeckt und neue Orte für alltägliche Nutzungen gefunden. Bei[m Projekt] ›Frag Gretchen!‹ waren es geläufige Verrichtungen, wie Essen, Schlafen, Zähneputzen, die durch die Anpassung an eine neue Umgebung (etwa im Klassenraum oder am Schul-WC) plötzlich in einem ganz neuen Licht gesehen und die unterschiedlichen Anforderungen an Raum erkannt wurden. […] Spielerisch und lustvoll öffnen sich Türen, um die eigene (Architektur-)Umgebung mit anderen Augen zu sehen« oder eben mit anderen Ohren zu hören.

YouTube-Text: 

Räume können wir nicht nur mit anderen Augen sehen, sondern auch mit anderen Ohren hören. WC-Anlagen in Schulen gehören zu den unbeliebtesten Orten in allen Umfragen. Das sollten wir ändern. Im Schuljahr 2013/14 haben SchülerInnen der 7A und 7B am BRG Traun dazu einen Beitrag geleistet. Viel Freude bei der Neu-Wahrnehmung. 

We could see rooms in a new way. We also could hear rooms in a new way. Toilettes of schools appear as most hated places in polls. Let us change that fact. In the summer of 2013 pupils (17 year old) of the gymnasium in Traun, Upper Austria, have done following contribution. Enjoy your new perception. 

Ingeborg Bachmann hat 1960 in einem Brief an Paul Celan gehofft, dass »… das Gute gut bleibt und das andere gut wird.« Die Übereinstimmung ist derart präzise, dass ich dieses Zitat meinem Artikel über Partizipation im Schulbau vorangestellt habe. Schon Ende September 2012 hatte ich meinen Beitrag für die März/April-Ausgabe 2013 der Zeitschrift ›Erziehung & Unterricht‹ (Seite 318) mit dem Titel ›BILDEN. MACHEN. BLÜHEN.‹ fertig geschrieben vor mir liegen. Hier nun die vorangestellte Zusammenfassung und das Download des Gesamttextes auf schulRAUMkultur. Mein Dank gilt Josefa Widmann, der Koordinatorin der Ausgabe, für ihr Vertrauen in einen ›Newcomer‹ wie mich.

»Die ehemalige ‚Anstalt‘ Schule muss sich angesichts des Paradigmenwechsels in der Pädagogik, der Ratifizierung der Inklusionskonvention und dem Ausbau der Ganztagesbetreuung zu einem differenziert gebrauchsfähigen und atmosphärisch hochwertigen Lebens- und Lernraum für Kinder und Jugendliche wandeln. Schulbauten spielen eine bedeutende Mehrfachrolle als Lernräume der Kinder, als öffentliche Räume in der Kommune und als Vorbilder der Baukultur. Sie sollten schon in der Phase der Projektentwicklung, in der die wesentlichen pädagogisch-räumlichen Entscheidungen getroffen werden, als Fallbeispiele für lebenslanges Lernen aller Beteiligten erkannt werden. Die partizipative Arbeit am Atmosphärischen ist dabei ein Schlüssel zum Erfolg, weil alle – Laien wie Profis – nur den einen, den intuitiven gefühlsmäßigen Zugang dazu haben. 

Die Mitbestimmung im Schulbau wird dazu beitragen, mit den Ressourcen unseres Landes zukunftsfähig umzugehen. Alle Beteiligten dürfen in diesem Zusammenhang entsprechende Hausaufgaben erledigen. ArchitektInnen müssen lernen, ihren Kunden zuzuhören und ihre eigene Arbeit verständlich zu vermitteln. Bildungs- und Hochbaubeamte sollten versuchen, ihre Vorbehalte zu überwinden und die Kultur des Ermöglichens der des Vorschreibens vorzuziehen. PädagogInnen und SchülerInnen sind aufgefordert, Räume im Alltag bewusster wahrzunehmen, diese auch mitzugestalten und empfindsamer für Atmosphären zu werden.«

BILDEN. MACHEN. BLÜHEN.